Erweiterte Abklärung · Praxis Dr. Romanos

SIBO — Dünndarmfehlbesiedlung: Wenn der Blähbauch im Tagesverlauf zunimmt

Ein Bauch, der morgens flach ist und im Lauf des Tages sichtbar zunimmt. Blähungen nach fast jeder Mahlzeit. Dazu Verstopfung oder Durchfall, oft im Wechsel, und eine Müdigkeit, die sich nach dem Essen verstärkt. Wer damit zum Arzt geht, bekommt häufig die Diagnose Reizdarm und den Rat, Stress zu reduzieren. In einem Teil dieser Fälle steckt jedoch eine Dünndarmfehlbesiedlung dahinter — SIBO — und die ist messbar und behandelbar.

Was SIBO bedeutet

SIBO steht für small intestinal bacterial overgrowth: eine Fehlbesiedlung des Dünndarms mit Bakterien, die normalerweise vor allem im Dickdarm vorkommen. Der Dünndarm ist nicht keimfrei, aber vergleichsweise dünn besiedelt. Wandern Dickdarmbakterien nach oben oder vermehren sie sich dort übermässig, vergären sie Kohlenhydrate bereits im Dünndarm — also dort, wo eigentlich die Aufnahme von Nährstoffen stattfindet.

Bei dieser Vergärung entstehen Gase, hauptsächlich Wasserstoff und Methan. Genau daher rührt das charakteristische Muster: Der Bauch ist nach der Nachtruhe flach und wölbt sich mit jeder Mahlzeit weiter vor. Bei ausgeprägten Formen kann zusätzlich die Aufnahme von Eisen, Vitamin B12 und fettlöslichen Vitaminen leiden — was erklärt, warum manche Betroffene primär wegen Erschöpfung und nicht wegen Bauchbeschwerden kommen.

Das typische Beschwerdebild

Kein einzelnes Symptom beweist SIBO. Auffällig ist die Kombination:

Blähbauch mit deutlicher Zunahme im Tagesverlauf. Völlegefühl schon nach kleinen Portionen. Unverträglichkeit von Zwiebeln, Hülsenfrüchten, Weizen oder Milchprodukten, oft neu aufgetreten. Stuhlunregelmässigkeiten in beide Richtungen. Und häufig eine ausgeprägte Müdigkeit — teils durch Mikronährstoffmängel, teils durch die Gasbelastung selbst.

Methandominante Formen gehen eher mit Verstopfung einher, wasserstoffdominante eher mit Durchfall. Diese Unterscheidung ist nicht akademisch: Sie verändert die Therapie.

Warum SIBO regelmässig übersehen wird

Weil die Standardabklärung unauffällig ausfällt. Blutbild, Entzündungswerte, Ultraschall und meist auch die Endoskopie zeigen nichts. Daraus wird — verständlich, aber vorschnell — die Diagnose Reizdarm. Der Punkt ist: SIBO wird durch keine dieser Untersuchungen erfasst. Man muss gezielt danach suchen, und dafür braucht es einen eigenen Test.

Der Atemtest — wie er funktioniert

Der Nachweis erfolgt über einen Wasserstoff-Methan-Atemtest. Das Prinzip ist einfach: Menschliche Zellen produzieren weder Wasserstoff noch Methan. Erscheinen diese Gase in der Ausatemluft, stammen sie von Bakterien.

Nach Einnahme einer definierten Testlösung — meist Laktulose oder Glukose — wird über zwei bis drei Stunden in festen Abständen in die Atemluft gemessen. Ein früher Anstieg spricht für eine Fehlbesiedlung im Dünndarm. Entscheidend sind Vorbereitung und Durchführung: 24 Stunden vorher eine kohlenhydratarme Kost, danach nüchtern, kein Rauchen, keine Antibiotika in den vier Wochen davor und keine Abführmittel. Wird das nicht eingehalten, ist das Resultat nicht verwertbar. Wir arbeiten dafür mit einem spezialisierten Labor in Zürich zusammen.

Zur Einordnung: Der Test ist nicht perfekt. Er hat eine begrenzte Sensitivität, und insbesondere der Laktulose-Test wird in der Fachliteratur kontrovers diskutiert. Ein negatives Ergebnis schliesst SIBO nicht sicher aus, ein positives muss immer im Kontext des klinischen Bildes gelesen werden. Ein Test ohne passende Beschwerden rechtfertigt keine Therapie.

Was vorher ausgeschlossen gehört

Bevor eine funktionelle Diagnostik überhaupt sinnvoll wird, gehören die häufigen und gut behandelbaren Ursachen vom Tisch. Das läuft über die Grundversicherung und umfasst in der Regel: Zöliakie-Serologie, Calprotectin im Stuhl zum Ausschluss einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung, Blutbild und Ferritin, Entzündungswerte, TSH sowie — je nach Bild — die Pankreaselastase.

Diese Reihenfolge ist keine Formalität. Eine unerkannte Zöliakie oder eine Schilddrüsenunterfunktion erklärt dieselben Beschwerden und wird anders behandelt.

Die Ursache dahinter

SIBO ist selten die eigentliche Diagnose — meist ist es die Folge von etwas anderem. Am häufigsten liegt eine Motilitätsstörung zugrunde: Der sogenannte migrierende Motorkomplex, der den Dünndarm zwischen den Mahlzeiten reinigt, arbeitet zu schwach. Weitere Auslöser sind Verwachsungen nach Bauchoperationen, ein durchgemachter Magen-Darm-Infekt, die Dauereinnahme von Säureblockern, eine Funktionsstörung der Ileozökalklappe sowie Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus.

Wer diese Ebene ignoriert, behandelt das Rezidiv statt die Krankheit.

Behandlung

Die Therapie steht auf drei Säulen. Erstens die Reduktion der Fehlbesiedlung: Standard ist eine gezielte, nicht resorbierbare antibiotische Therapie über etwa zwei Wochen; bei methandominanten Formen kommt eine Kombinationstherapie in Betracht. Zweitens die Ernährung — eine zeitlich befristete Reduktion fermentierbarer Kohlenhydrate lindert die Symptome, ist aber ausdrücklich kein Dauerzustand, da sie die Vielfalt der Darmflora auf Dauer verschlechtert. Drittens die Rezidivprophylaxe: Behandlung der zugrunde liegenden Motilitätsstörung, ausreichende Essenspausen und, wo möglich, Absetzen unnötiger Säureblocker.

Was realistisch zu erwarten ist

Ein grosser Teil der Betroffenen spricht auf die erste Therapie deutlich an. Ebenso ehrlich gehört gesagt: Die Rückfallquote ist relevant, und ohne Behandlung der Ursache liegt sie hoch. SIBO ist gut behandelbar, aber es ist kein einmaliger Eingriff, sondern ein Verlauf, der begleitet werden muss.

Die Abklärung einer Dünndarmfehlbesiedlung ist Teil unserer Erweiterte Abklärung in Zürich. Der Atemtest wird bei einem spezialisierten Labor in Zürich durchgeführt.

Nächster Schritt: Vereinbaren Sie eine Konsultation, um Ihre Gesundheit im Detail zu besprechen.

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