Erweiterte Abklärung · Praxis Dr. Romanos

Reizdarm: Wenn die Diagnose «sonst nichts gefunden» heisst

«Wir haben alles untersucht und nichts gefunden.» Für viele Menschen mit Reizdarmsyndrom ist das der Satz, mit dem die Abklärung endet. Er ist medizinisch missverständlich und für Betroffene entmutigend. Das Reizdarmsyndrom ist keine Verlegenheitsdiagnose, wenn nichts anderes übrig bleibt — es ist eine eigenständige Diagnose mit definierten Kriterien. Entscheidend ist, dass vorher das Richtige gemessen wurde.

Reizdarm ist eine positive Diagnose

Nach den international gebräuchlichen Rom-IV-Kriterien liegt ein Reizdarmsyndrom vor, wenn wiederkehrende Bauchschmerzen im Durchschnitt an mindestens einem Tag pro Woche über die letzten drei Monate bestehen und mit mindestens zwei der folgenden Punkte verbunden sind: Zusammenhang mit dem Stuhlgang, Veränderung der Stuhlfrequenz oder Veränderung der Stuhlkonsistenz. Die Beschwerden sollen mindestens sechs Monate zurückreichen.

Das ist eine Definition mit klaren Kriterien — kein Etikett für unerklärte Bauchbeschwerden. Der Unterschied ist praktisch bedeutsam: Wer die Kriterien erfüllt und keine Warnzeichen aufweist, braucht in der Regel keine ausufernde Diagnostik. Wer sie nicht erfüllt, braucht eine andere Erklärung.

Die Warnzeichen, die gegen Reizdarm sprechen

Bestimmte Befunde schliessen ein Reizdarmsyndrom nicht formal aus, verlangen aber zwingend eine weitere Abklärung, bevor die Diagnose gestellt wird:

Ungewollter Gewichtsverlust. Blut im Stuhl. Blutarmut oder Eisenmangel. Erstmanifestation nach dem 50. Lebensjahr. Beschwerden, die nachts aus dem Schlaf wecken. Fieber. Tastbare Resistenz im Bauch. Darmkrebs oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen in der Familie. Bei diesen Konstellationen gehört endoskopisch abgeklärt.

Was vor der Diagnose gemessen gehört

Auch ohne Warnzeichen gibt es eine Basisabklärung, die vor der Diagnose stehen sollte — sie ist schmal, günstig und läuft über die Grundversicherung:

Blutbild und Ferritin. Entzündungswerte. Zöliakie-Serologie, denn die Zöliakie imitiert das Reizdarmsyndrom und wird im Erwachsenenalter regelmässig spät erkannt. Calprotectin im Stuhl zur Abgrenzung von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. TSH, weil sowohl Über- als auch Unterfunktion der Schilddrüse den Stuhlgang verändern. Diese Untersuchungen sind nicht optional. Sie sind der Grund, warum die Diagnose danach belastbar ist.

Die Subtypen — und warum sie die Therapie bestimmen

Unterschieden werden das durchfalldominante (RDS-D), das verstopfungsdominante (RDS-O) und der Mischtyp (RDS-M). Die Einteilung ist keine Etikettierung, sondern steuert die Behandlung: Ein Medikament, das bei RDS-D hilft, kann bei RDS-O die Beschwerden verstärken. Wer über «Reizdarm» spricht, ohne den Subtyp zu benennen, kann nicht gezielt behandeln.

Was tatsächlich hilft

Wenn die Diagnose steht, gibt es mehr wirksame Optionen, als der Satz «da kann man nichts machen» vermuten lässt.

Ernährung. Eine Reduktion fermentierbarer Kohlenhydrate — die sogenannte FODMAP-Reduktion — bessert die Beschwerden bei einem erheblichen Teil der Betroffenen. Wichtig ist die Durchführung: vier bis sechs Wochen konsequente Reduktion, danach schrittweise Wiedereinführung, um die individuellen Auslöser zu identifizieren. Als Dauerernährung ist sie nicht gedacht und verarmt langfristig die Darmflora. Ohne Begleitung wird aus dem diagnostischen Instrument eine immer engere Restriktionsdiät.

Medikamentös. Lösliche Ballaststoffe wie Flohsamenschalen sind bei Verstopfungsdominanz gut belegt. Spasmolytika helfen gegen krampfartige Schmerzen. Pfefferminzöl in magensaftresistenter Form hat in Studien eine bessere Datenlage, als sein Ruf als Hausmittel vermuten lässt.

Darm-Hirn-Achse. Die Verbindung zwischen Darm und Nervensystem ist beim Reizdarmsyndrom gut untersucht. Kognitive Verhaltenstherapie und darmgerichtete Hypnotherapie gehören zu den am besten belegten Behandlungen überhaupt. Das ist keine Aussage darüber, dass die Beschwerden «psychisch» seien — es ist eine Aussage über die Physiologie der Schmerzverarbeitung im Darm.

Wenn die Behandlung nicht greift

Bleiben die Beschwerden unter konsequenter Standardtherapie bestehen, ist eine erweiterte Abklärung gerechtfertigt. Sinnvolle nächste Schritte sind dann eine Untersuchung auf Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO), besonders bei Blähbauch mit Zunahme im Tagesverlauf, die Frage nach einem Gallensäureverlustsyndrom bei therapierefraktärem Durchfall, die Pankreaselastase zur Prüfung der Bauchspeicheldrüsenfunktion sowie eine umfassende Stuhlanalyse.

Diese Untersuchungen gehören ans Ende der Abklärung, nicht an den Anfang. In genau dieser Reihenfolge arbeiten wir im Rahmen unserer Erweiterte Abklärung.

Nächster Schritt: Vereinbaren Sie eine Konsultation, um Ihre Gesundheit im Detail zu besprechen.

Termin buchen
WhatsApp
Termin buchen