Endokrinologie · Praxis Dr. Romanos
Testosteronmangel beim Mann: richtig abklären, gezielt behandeln
Testosteron ist zum Lifestyle-Thema geworden — mit Online-Tests, Kliniken und Versprechen von mehr Energie und Muskeln. Ein echter Testosteronmangel ist eine medizinische Diagnose und gut behandelbar. Er ist aber seltener, als die Werbung vermuten lässt, und er wird nicht mit einem einzelnen Bluttest gestellt.
Welche Beschwerden typisch sind
Am aussagekräftigsten sind sexuelle Beschwerden: weniger Lust, seltener morgendliche Erektionen, Erektionsprobleme. Dazu kommen Müdigkeit, gedrückte Stimmung, weniger Muskelmasse und Kraft, mehr Bauchfett und bei länger bestehendem Mangel eine abnehmende Knochendichte.
Fast alle diese Beschwerden haben auch andere Ursachen: Schlafmangel, Stress, Depression, Schilddrüse, Eisenmangel, Diabetes. Deshalb gehört die ganze Abklärung dazu, nicht nur der Testosteronwert.
Wie richtig gemessen wird
Testosteron schwankt über den Tag und ist morgens am höchsten. Gemessen wird deshalb am Morgen zwischen etwa 7 und 11 Uhr, idealerweise nüchtern. Ein einzelner tiefer Wert reicht für die Diagnose nicht; er wird an einem zweiten Morgen bestätigt.
Liegt das Gesamttestosteron im Grenzbereich, bestimmen wir zusätzlich SHBG und berechnen das freie Testosteron. Ist der Mangel bestätigt, zeigen LH und FSH, ob die Ursache im Hoden oder in der Hirnanhangsdrüse liegt. Je nach Befund kommen Prolaktin, Ferritin und weitere Abklärungen dazu.
Zur Orientierung: Werte unter etwa 8 nmol/l sprechen deutlich für einen Mangel. Zwischen 8 und 12 nmol/l liegt ein Graubereich, in dem Beschwerden und freies Testosteron entscheiden.
Häufige Ursachen, die zuerst behandelt werden
Ein tiefer Testosteronwert ist oft Folge, nicht Ursache. Übergewicht und Insulinresistenz senken Testosteron, ebenso Typ-2-Diabetes, eine unbehandelte Schlafapnoe, viel Alkohol, chronischer Stress, akute Erkrankungen sowie Opioide und Kortison. Auch frühere Anabolika können die eigene Produktion lange unterdrücken.
Dann ist die beste Behandlung die der Ursache. Gewichtsabnahme, besserer Schlaf und die Behandlung einer Schlafapnoe heben den Testosteronspiegel oft messbar an — ohne Hormone.
Wann wir Testosteron verschreiben — und wann nicht
Wir verschreiben Testosteron, wenn ein Mangel bestätigt ist: passende Beschwerden, wiederholt tiefe Morgenwerte und behandelbare Ursachen ausgeschlossen. Dann ist die Therapie gut belegt und wirksam.
Wir verschreiben kein Testosteron bei normalen Werten, nicht zum Muskelaufbau, nicht zur Leistungssteigerung und nicht als «Anti-Aging». In diesen Situationen überwiegen die Risiken.
Vor Therapiebeginn bestimmen wir das Blutbild (Hämatokrit), ab dem mittleren Alter auch den PSA-Wert, und erfassen das Herz-Kreislauf-Risiko. Testosteron unterdrückt die Spermienbildung: Wer Kinder möchte, braucht einen anderen Weg. Unter Therapie kontrollieren wir Testosteron, Hämatokrit und PSA regelmässig.
Abklärung und Kosten
Bei Beschwerden ist die Abklärung — Gespräch, Untersuchung und die medizinisch nötigen Laborwerte — eine Leistung der Grundversicherung. Es gelten Franchise und Selbstbehalt.
Wer eine umfassende Standortbestimmung mit Hormonen, Stoffwechsel und Herz-Kreislauf wünscht, mit Begleitung über drei Monate, findet dazu das Männerprogramm (Selbstzahlerleistung).
Nächster Schritt: Vereinbaren Sie eine Konsultation zur Abklärung Ihrer Beschwerden.
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